Ökologie der Saftlinge (Stand: Februar 2011)

Saftlings-HexenringIm Oktober 2008 habe ich auf einer Schafweide bei Amorbach zwölf verschiedene Saftlingsarten vorgefunden, nämlich Hygrocybe virginea, H. chlorophana, H. coccinea, H. insipida, H. mucronella, H. psittacina, H. conica, H. virginea var. fuscescens, H. pratensis, H. aurantiosplendens, H. fornicata, H. flavipes (Reihenfolge nach geschätzter Abundanz).

Zusätzlich gefunden: 1 FK von Dermoloma cuneifolium und ca. 15 FK-Aggregate Clavulinopsis corniculata. Entoloma war ebenfalls vertreten, wurde aber nicht aufgesammelt. Geoglossum wurde nicht gesehen. Dieses Jahr kamen Clavulinopsis helvola, Entoloma conferendum und fernandae(Bestimmung noch unsicher) sowie eine Conocybe (Art noch unklar) in recht großer Zahl hinzu.

Die angetroffene Vegetation besteht aus Gräsern und einer reichen Kräuterflora, sogar eine Orchideenart kommt vor. Insgesamt wird das Gebiet einer Festuca rubra-Agrostis capillaris Gesellschaft zugeordnet (B. Kaiser 2010, pers. Mittl.) mit mehr als 40 Pflanzenarten (Artenliste PDF 74 KB)

Dass verschiedene Saftlingsarten am gleichen Standort und zur gleichen Zeit fruktifizieren können, ist bekannt (P. KARASCH, persönl. Mitteilung). Was aber kaum thematisiert wird, ist die Beobachtung, dass verschiedene Arten eng miteinander vergesellschaftet sein können, in meinem Fall H. virginea, H. chlorophana und H. coccinea. Es scheint Unklarheiten darüber zu geben, zu welchem ökologischen Typus Saftlinge gehören. Sind es saprotrophe oder Mykorrhiza bildende Pilze? Die Signaturen der Stickstoff- und Kohlenstoffisotopen weisen zwar auf letzteres hin, aber ein Symbiosepartner konnte bislang nicht gefunden werden. Ich bin mittlerweile in Kontakt mit einer britischen Forschergruppe, die die Isotopensignaturen der Exsikkate von P. Karasch und mir untersucht haben. Das vorläufige Ergebnis zeigt, dass die Kollektionen aus Amorbach und La Palma gleiche Isotopensignaturen aufweisen. Zumindest diese Saftlingsarten ernähren sich also unabhängig vom Standort (Boden, Begleitvegetation) auf gleiche Weise. Übrigens: Ob man nun H. virginea bzw. H. pratensis der Gattung Camarophyllus zuordnet oder nicht, die Isotopensignatur entspricht derjenigen von Hygrocybe.

Saftlinge lassen sich bislang nicht unter sterilen Bedingungen kultivieren. Allerdings gibt es darüber in der Fachliteratur nur wenig Aufschlussreiches. Es wird halt nur ungern über fehlgeschlagene Versuche publiziert, obwohl solche Erkenntnisse genauso von wissenschaftlichem Wert sind, wie gelungene Tests. Ich werde deshalb den Faden aufnehmen und systematisch versuchen, Saftlinge im Labor auf unterschiedlichen Nährböden anzuzüchten, vielleicht auch gemeinsam mit anderen Bodenorganismen. Falls jemand zu diesem Thema etwas beitragen kann, bitte ich um Rückmeldung (Kontakt).

Weiterhin konnte ich beobachten, dass H. virginea, H. coccinea und H. ceracea auch Hexenkreise bilden. Dabei wachsen im inneren Teil anscheinend immer zweikeimblättrige Pflanzen. So war es jedenfalls bei 80 % von 35 untersuchten H. virginea-(Teil-)Kreisen. 

Wenn man nun die Verankerung der Stielbasis von virginea im Boden bzw. in der Rhizosphäre etwas näher untersucht, fällt auf, dass die Basis sehr fest mit den umgebenden Wurzeln verbunden ist. Außerdem ist sie (ganz oder teilweise mit einer weißlichen, gelartigen Substanz umhüllt (Glucane, Proteine?).