Mykorrhizapilze im Höhengradient:
Steuergrößen von Diversität und Biomasse im Bayerwald (Stand Juni 2011)
Es gibt viele miteinander verknüpfte Fragen zur Ökologie der Pilze bzw. zum Klimawandel. Einerseits kennen wir bereits eine Reihe von Antworten. Andererseits, ein widerspruchsfreies, geschweige denn geschlossenes Bild über die ökologische Bedeutung der Pilze für unsere Wälder und deren Zukunft vermitteln diese Antworten noch längst nicht.Die Verwaltung des Nationalparks Bayerischer Wald hat sich seit einigen Jahren zum Ziel gesetzt, die ökologischen Zusammenhänge im Parkgebiet weiter aufzuklären. Das BIOKLIM-Projekt (Biodiversität und Klima Projekt) will dazu beitragen, die rasante Veränderung globaler Biodiversität zu verstehen, in dem es an einem typischen Beispiel montaner und hochmontaner Mittelgebirge die wichtigsten biologischen und physikalischen Faktoren und ihre Wechselwirkungen untereinander untersucht. Dazu zählen inzwischen nicht nur die Pflanzen und Tiere, sondern auch die Pilze mit Schwerpunkt auf die Gehölz-Symbionten (Ektomykorhizapilze), weil diese Organismen besonders empfindlich und spezifisch auf Änderungen ihrer Umwelt reagieren. Zur Diversität von Großpilzen gibt es zwar bereits Untersuchungen, die für das hier vorgestellte Forschungsvohaben relevant sind. Sie konzentrieren sich aber auf den Einfluss forstwirtschaftlicher Nutzungsformen im Bayerischen Wald, und weniger auf Klima und Höhenstufen (Dissertation C. Hahn 2005).
Zur Umsetzung der Forschungsziele sind 2009 acht Höhenstufen zwischen rund 650 und 1400 Metern untersucht worden. Dazu wurden die bereits bearbeiteten Geländestreifen (Transsekte bzw. Höhengradienten) herangezogen, für die bereits wichtige Einflussfaktoren erfasst worden sind, z.B. Bodeneigenschaften, die Flora und relevante Fauna.
In insgesamt etwa fünfzig auf den Höhenstufen verteilten Probekreisen haben Feldmykologen jede Woche während der Pilzsaison die Fruchtkörper registriert. Neben der Aufsammlung und Bestimmung der Mykorrhiza- und typischer saprotropher Pilze, wurden auch die Mykorrhizen anhand morphologischer und ökologischer Merkmale erfasst. Parallel wurden Witterungsdaten erfasst und digital aufgezeichnet. Diese, auf verschiedene Höhenstufen verteilten Messeinrichtungen zu den abiotischen Einflussgrößen (Luft- bzw. Bodentemperatur und -feuchte) wurden Mitte Mai 2009 aufgestellt. Ende April lag noch Schnee ab ca. 1200 m aufwärts. Sie werden gegenwärtig wieder abgebaut, bevor der Frost in den höheren Lagen in den Boden vordringt.
Die Studie soll einen Zeitraum von mindestens drei Jahren umfassen. Nach einer ersten Auswertung der Daten 2009 wird das Forschungsteam* im Dezember entscheiden, wo ggf. nachgebessert werden muss.
Zwischenzeitlich waren bei einigen Messtellen für Bodenfeuchte Kontaktprobleme aufgetreten, die aber beseitigt werden konnten. Dabei hat sich es sich herausgestellt, dass eine Fehlerdiagnose ohne Funktionskontrollen (Spannungsmessungen an der Batterie und der Messspannung,) und ohne Aufzeichnungen über die Kontrollen sehr schwierig ist (siehe Feldgängerhandbuch PDF 823 KB). Leider hat sich Ende 2010 herausgestellt, dass die UMS-Feuchtefühler nach spätestens 1 Jahr undicht damit unbrauchbar werden. Wir haben deshalb inzwischen auf tschechische Fühler bzw. Logger umgestellt, die bislang klaglos funktionieren.
Die ersten Auswertungen im Dezember 2009 zeigten, dass das Projekt mit seiner Zielsetzung und Vorgehensweise wahrscheinlich auf dem richtigen Weg ist. Zur besseren Einschätzung des Pilzaufkommens wird ab diesem Winter die Bodentemperatur kontinuierlich über das ganze Jahr gemessen. Es wird nämlich von einigen Forschern vermutet, dass das Witterungsgeschehen im Winter und Frühjahr Einfluss auf Arten und Abundanzen der fruktifizierenden Großpilze hat.
2011 werden wir einen zusätzlichen Forschungsbereich eröffnen, der sich mit der Ökologie der Fruchtkörper und der Sporenproduktion im Sinne von "Reproductive Fitness" befasst. Dazu sollen Geräte zur Aufzeichnung des Wachstumsverhaltens und zur Erfassung der Sporenmengen installiert werden. Erste Erkenntnisse darüber sind frühestens im Winter 2011/12 zu erwarten.
*das Forschungsteam:
- Prof. Dr. R. Agerer (Mykorrhiza)
- Dr. C. Bässler (Konzeption, Leitung)
- A. Gminder (Feldmykologe, Taxonomie)
- H. Halbwachs (Messtechnik, Pilzökologie)
- H. Holzer (Feldmykologe, Taxonomie)
- P. Karasch (Feldmykologe, Taxonomie)
- L. Krieglsteiner (Feldmykologe, Taxonomie)
- A. Kunze (Feldmykologe, Taxonomie)
- A. von Steen (Phänologie)