Begleitende Flora & Fauna (aktualisiert am 23.12.2010)
Einer der wichtigsten Blickwinkel auf die Ökologie von Großpilzen richtet sich auf die Begleitvegetation. Natürlich stehen dabei die Mykorrhizapilze im Vordergrund. Aber auch für die Zersetzer unter den Pilzen ("saprotrophe") sind die begleitenden oder als Wirt fungierende Pflanzen von großer, häufig auch von ausschlaggebender Bedeutung und charakteristisch für die meisten Arten. Deshalb sind auch bei der Kartierung von Pilzen solche Angaben unerlässlich. Abgesehen von der Erfassung der im direkten Umfeld von angetroffenen Pilzen vorkommenden Pflanzen kann es auch von Interesse sein, das charakteristische Vegetationsmuster in einem Untersuchungsgebiet zu definieren. Solche pflanzensoziologischen Untersuchungen können recht zeitraubend sein, sind aber bei etwas Übung auch von Amateuren zu bewältigen. Weiterhin gehört die Vegetationsaufnahme zur Beschreibung einer Untersuchungsfläche, und zwar anhand der Zeigerwerte der Pflanze, die charakteristische Eigenschaften eines Standorts wiederspiegeln. Dazu gehören z.B. Zeigerwerte zum Säuregrad und Stickstoffgehalt des Bodens als auch zur Beschattung und zum Wasserhaushalt.Wichtige Umweltindikatoren sind Moose und Flechten. Sie können Aufschluss darüber geben, ob die es Schadstoffeinträge durch Verkehr, Landwirtschaft oder Industrie gibt. Näheres dazu ist zu finden in:
FRAHM, J.-P. (1998): Moose als Bioindikatoren. Quelle & Meyer, Wiesbaden
KIRSCHBAUM, U. & V. WIRTH (1997): Flechten erkennen - Luftgüte bestimmen. Eugen Ulmer, Stuttgart
Die Fauna eines Untersuchungsgebietes bleibt zumeist unberücksichtigt, weil die Wechselwirkungen zwischen Tieren und Pilzen als wenig bedeutsam eingeordnet wird. Mit Ausnahme von speziellen Fragestellungen, z.B. die Rolle von pilzverzehrenden Gliedertieren (Käfer, Springschwänze usw.), kann jedoch die Erfassung der Bodenfauna, vor allem in der Streuschicht, wichtige zusätzliche Informationen über die biologischen Eigenschaften des Bodens vermitteln. Solche Analysen sind recht unkompliziert und mit "Bordmitteln" zu bewältigen. Es kommt dabei nicht auf die lückenlose Ermittlung der vorkommenden Arten, sondern auf die halbquantitative Erfassung wesentlicher Tiergruppen, wie Schnecken, Ringelwürmer, Käfer, Milben und Springschwänze. Eine Anleitung können Sie hier herunterladen: Bodenfauna 207 KB)
Praxisnahe Anleitungen zur Vegetations- und Faunenanalyse sind in folgenden Werken enthalten:
BÄHRMANN, R. (Hrsg.) (2007): Bestimmung wirbelloser Tiere. Spektrum Akademischer Verlag
BRUCKER, G., FLINDT, R. & K. KUNSCH (1995): Biologisch-ökologische Techniken. Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden
STEUBING, L. & A. FANGMEIER (1992): Pflanzenökologisches Praktikum. Eugen Ulmer, Stuttgart
Alle aufgeführten Bände sind immer noch im Handel erhältlich, teilweise für wenig Geld (Bezug: www.google.de/products)
Weitere Hinweise sind in HALBWACHS, H. (2007): Fruchtkörperbildung bei saprotrophen und Mykorrhizapilzen: Ein Beitrag zur Ökologie von Großpilzen in einem Kiefernforst der Rhein-Main-Ebene. Zeitschrift für Mykologie 73/2, 145-202 (Interessenten, die keinen Zugang zu diesem Heft haben, können von mir eine PDF-Version bekommen: Kontakt)
Eine umfassende Darstellung aller Methoden zur Vegetations- und Faunenaufnahme ist in Vorbereitung.